Carmen im Wunderland

 

 


 

 

20. Februar 2005

Liebe SUNDOG-Team, 
liebe Frau Noll,

 

anbei ein kleiner Foto-Bericht über Carmens erstes Halbjahr bei uns im Cux-Land. Wir sind sehr glücklich mit ihr und bereuen nicht, für sie bis Frankfurt gefahren zu sein. Auch sie scheint sich hier trotz des rauen Klimas sehr wohl zu fühlen – das Schwänzchen wedelt fast ständig, und sie bedankt sich damit für jede Aufmerksamkeit.


Seit sie ihren „Kumpel“ hat (ca. gleich alt, kastriert, auch aus dem Tierheim – allerdings von „gleich um die Ecke“), taut sie erst richtig auf, hat nicht mehr so massive Ängste und ist vor allem körperlich ausgelastet. Dieses Energie-Bündel kann man ja als Mensch gar nicht ausreichend bewegen! – Ach ja: Kastriert ist sie inzwischen auch. Alles verlief völlig ohne Probleme, sogar die Akzeptanz des „Trichters“. Der einzige Wermuts-Tropfen: Seit sie sich richtig zu Hause fühlt, hat sie das Jagen angefangen! Vermutlich hat sie sich früher einmal so ernährt, so dass ihr Jagdtrieb ziemlich tief verankert ist. Im Moment erzielen wir eine gute Verhaltens- änderung mit einer Schlepp(Ausbildungs)leine. Da die kleine Türkin sehr intelligent ist, jagt sie damit nicht. Während der Rüde solch ein Menschenfreund ist, dass er jedem Einbrecher die Leiter halten würde, nur damit er gestreichelt wird, ist Carmen unbestechlich und verbellt Fremde auf Distanz, ohne das jemals gelernt zu haben!


Was bei uns im Garten zu sehen ist, wenn die beiden da stundenlang herumtoben, stellt jedes Fernsehprogramm in den Schatten! Dafür ist der größte Teil unseres Rasens verschwunden – weggefegt von acht Flitze-Pfoten, die Platz für „Rennbahnen“ brauchten.
Unser Rasen ist ein vergleichsweise winziges Opfer gegen Ihren tollen, selbstlosen Einsatz bei der Hilfe für die vielen Tiere, die ohne Sie sterben oder zumindest unsagbar leiden würden. Wir verfolgen auf Ihren – übrigens toll gestalteten und super aktualisierten(!!) – Internetseiten Ihre Hilfsaktionen regelmäßig. Hoffentlich haben Sie noch lange die Kraft und die Energie dazu! Es ist so bewundernswert und motivierend zugleich, was Sie bis jetzt schon geleistet haben, dass wir auch weiterhin versuchen werden, Sie und Ihre Arbeit zu unterstützen.Das ist bestimmt auch Meryems Geist, der diese Erfolge beflügelt!

 

Mit freundlichen Grüßen und fröhlichem Gebell

 

23. Mai 2004

Liebes Sundog-Team,
liebe Ulrike Noll,

 

bitte leitet diesen 1. "Entwicklungs-Bericht" auch an Meryem weiter. Wir haben nirgendwo ihre Adresse gefunden. 

 

Liebe Meryem,

deine kleine schüchterne CARMEN ist bei uns gelandet. Und seitdem verblüfft uns dieses schwarz-braune Überraschungspaket täglich auf´s Neue. Ein Flug mit zwei Stunden Verspätung und eine anschließende fünfstündige nächtliche Autofahrt (wenn auch mit Pausen) sollten so eine unerfahrene, ängstliche Hündin eigentlich ziemlich stressen? - Och nee, wenn man im Auto so ein gemütliches Körbchen vorfindet, mit Rescue-Tropfen gestärkt wird und aus dem Fenster gucken kann, ist das alles nicht so schlimm! - fand Carmen. Endlich zu Hause auf unserem kleinen Bauernhof angekommen, fand gleich die Einwanderungskontrolle durch unsere beiden Hof-Tiger Rocky und Putzi statt, die Gott sei Dank zur Zufriedenheit aller verlief. Selbst unsere Putzi, die sich für sehr sensibel hält, war nur einige Stunden verschwunden. Vor einem verdienten Erholungsschlaf stellten wir noch fest, wie wunderschön unsere CARMEN ist. Liebe Meryem, vor CARMEN hatten wir schon 3 Hunde aus (deutschen) Tierheimen adoptiert - keiner von denen war so gut gepflegt, so sauber, ungezieferfrei, mit so reinlichen Ohren und Pfoten und hat so neutral gerochen wie deine CARMEN! Das Wichtigste für CARMEN: My Körbchen is my castle! Sie schläft noch viel und sammelt Kräfte für ihre immer mutigeren Entdeckungstouren durch Haus und Hof. Dass es Gutes zu fressen gibt, ist beruhigend, aber es gibt Wichtigeres: Sich den Bauch kraulen zu lassen - zum Beispiel. Oder mit Herrchen oder Frauchen im Garten Fangen zu spielen und sich im hohen Gras zu verstecken. Oder sich ganz allein durch den Fliegen-Vorhang zu trauen beim Rein- oder Rauslaufen. Oder aus sicherem Abstand die Pferde zu beobachten. Oder bei den immer längeren Spaziergängen "Zeitung zu lesen". Und vor allem schnell in´s Körbchen zu laufen, wenn einem irgendetwas Angst macht! Draußen ist ihr liebster Platz auf der Ladefläche des Autos, wenn mal jemand die Klappe offen stehen lässt. - Also hat die lange Autofahrt keinen negativen Eindruck hinterlassen.  Und - die Überraschungen nehmen kein Ende - dieser Hund ist stubenrein! Damit haben wir überhaupt nicht gerechnet! Sie ist sogar "gartenrein" (gibt´s das?) und macht nur in die ab- gelegenste Ecke, die nie von Menschen betreten wird. Diesen Hund an die Leine zu nehmen, ist eine reine Freude. Sie läuft ohne zu ziehen sehr kultiviert und rücksichtsvoll einfach so mit. Erst nach einigen Tagen hat sie sich überhaupt getraut, mal zum Schnuppern stehen zu bleiben. Allmählich kommt sie dahinter, dass wir ein Team sind und auf sie warten, so wie sie geduldig auf uns wartet, wenn wir mit Nachbarn Klönschnack (hochdeutsch: Plauderei) halten.

Als typisch weiblich muss man wohl CARMENS ausgeprägte Vorliebe für Schuhe einordnen. Sie probiert sie alle und trägt sie mit Stolz... in ihr Körbchen. Das ist dann auch das einzige, was passiert, wenn wir sie mal alleine lassen müssen. Wenn sie sich ihre "Schuh-Beute" zusammengesucht hat, ist sie ganz artig bis wir wiederkommen - lediglich der Kork-Absatz von Herrchens Sandale musste von ihr neu "geformt" werden und sieht jetzt viel "moderner" aus.

Dass wir sie mögen, daran haben wir nie gezweifelt. Inzwischen ist aber auch klar, dass sie, die ja nie die Wahl hatte, ihre Familie auszusuchen, uns auch mag. Sie beobachtet und genau und lässt uns nicht aus den Augen, auch wenn es ihr noch "peinlich" ist, wenn wir das bemerken.

Womit wird CARMEN uns morgen verblüffen? Hat sie eigentlich eine Stimme?

WIR HABEN DEN TOLLSTEN HUND DER WELT!

 

Mit vielen lieben Grüßen
Ursula W. und Rolf M.